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Da wir Armbrüste
herstellen, lag es nahe auch Köcher zu bauen. Mit einer kleinen Abweichung
zum Duden; eine Armbrust verschießt Bolzen und keine Pfeile.
Ein kleines Brainstorming
in der Gilde und wir waren uns einig: Er sollte kleingroß, dunkelhell,
farblosbunt, glattpunziert mit Fell und rundeckig sein.
Einig waren wir uns jedoch in vier Punkten:
Alle Techniken und Grundformen sollten im 15 Jhdt. schon existiert haben
und er sollte über ein stabiles Äußeres verfügen.
Ganz wichtig war uns auch, dass die Köcher nicht in der Technik ich-hau-ein-Loch-rein-und-zieh-einen-dicken-Lederriemen-durch
gefertigt werden. Obwohl man dies überall sieht, war das Flechten
damals vor allem als Verzierungs- und nicht als Verbindungstechnik in
Anwendung. Somit war Handnaht mit Ahle und Leinenfaden angesagt.

Wir wussten also ganz
genau wie DER Köcher aussehen sollte...
drei Köcher!
Haynrich's Köcher:
Der
Unterbau ist aus Holz und auf Form geleimt. Der Rücken, Boden und
die Seiten mit dünnem lohgarem, und naturbelassenem Leder überzogen.
Die Frontseite aus Kaninchenfell und der Überschlag (Deckel) aus
lohgarem Leder mit Kaninchenfell im Mosaik. Die Holzarbeiten haben sich
als zeitraubender als erwartet herausgestellt, da trotz der Ausgleichsschnitte
das Holz recht widerspenstig war. Das Beziehen ist rein technisch leicht,
erfordert jedoch einige Erfahrung beim Ausschärfen*, damit man die
Übergänge nicht sieht. Extrem lästig ist das Verkleben
das Fells, da die Haare auf keinen Fall mit dem Kleber in Berührung
kommen dürfen. Das Anbringen der Trageschlaufen ist das Schmankerl
der Arbeit, da direkt durch 5mm Holz genäht wird, OHNE Vorbohren
(dadurch werden die Holzfasern beim Durchnähen zur Seite geschoben
und nicht wie beim Bohren zerstört).
Raymond's
Köcher:
Technisch nicht anspruchsvoll, eher eine Geduldsarbeit. Die Form wird
durch Nähen erreicht, auch hier sind es Kantennähte auf Stoß.
Das Rückteil und der Boden sind zudem in sich auf Form gearbeitet.
Die Frontplatte ist einteilig. Die Verzierung ist eine Kombi aus Punzier-,
Durchbruchs- und Färbarbeit. Tja und an der Geduld muss teilweise
noch gearbeitet werden, zumindest wenn man sich das Zierwerk mal ganz
genau anschaut ;-). Das Aufwendigste ist sich den Unsinn einfallen zu
lassen und das Modell zu entwickeln. Die Lederwahl und Kantenverarbeitung
ist wie bei dem Köcher von Rudgerus.
Rudgerus's Köcher:
Es
ist das anspruchvollste Stück, fein und gemein. Es handelt sich um
ein Tiefziehverfahren im Wet-Moulding-Stil** mit einer Kantennaht auf
Stoß. Es ist auch für einen Sattlermeister ein sehr anspruchsvolles
Stück. Die Basis bildet eine Holzunterform, die Rudgerus, mit viel
Liebe und ebensolchem Aufwand, dafür gebaut hat. Die Holzform ist
10cm hoch und am Rand 5cm senkrecht abfallend, das Leder ist lohgar***
und ca. 3mm stark. Jeder der die Technik kennt und die Maße liest
weiß wovon ich rede - keine Ausgleichsschnitte, keine verdeckten
Nähte, keine Maschinen, sondern Knochenarbeit und das Faltenfrei
(fast zumindest). Den Rücken bildet ein 5mm dickes Rindleder. Die
Kanten sind auf Stoß mit einem 6er Stich Handgenäht. Der Aufputz****
ist eine Mischung aus "Gummi Arabicum" und "brou de noix".
Die Kanten wurden vorher abgeglast.

Jeder der drei Köcher
wurde, wenn man die Modellentwicklung und Trockenzeiten herausrechnet
an einem Tag gefertigt. Die Zeit unserer gemeinschaftlichen Entwicklung
für den einen Köcher darf man dabei auch nicht rechnen und die
Kosten für "Atzung und Labung" sind auch nicht zu vernachlässigen.
Meister
Raymond d' Anher
* Als Ausschärfen
bezeichnet man das partielle oder flächige abnehmen von Lederschichten,
um die Dicke des Leders zu verringern.
** Beim Wet-Molding wird das Leder zunächst gewässert, um es
geschmeidig zu machen, anschließend über eine Form gezogen
oder gepreßt und anschließend wieder getrocknet. Nach dem
Trocknen behält das Leder die ihm aufgezwungene Form.
*** lohgar = pflanzlich gegerbt
**** Aufputz bezeichnet die abschließende Kantenbehandlung.
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